Ohne Wasser keine Energiewende
Am Wochenende findet der „Tag der Erneuerbaren Energien“ statt. Das haben wir zum Anlass genommen, mit unserem Mitglied, der GEW Wilhelmshaven GmbH, über dieses Thema zu sprechen.
Wir danken Herrn Thomann herzlich für diesen offenen Einblick in die Welt der GEW.
Das komplette Interview finden Sie hier. Viel Spaß beim Lesen wünscht die Wilhelmshavener Hafenwirtschafts-Vereinigung e.V.:
Wasser ist der Schlüssel zur Energiewende
GEW-Geschäftsführer Josef Thomann über Verantwortung, Kooperation und die Zukunft der Wasserversorgung
Hinter der GEW Wilhelmshaven GmbH liegen Wochen, die ganz im Zeichen des Wassers standen. Am 22. März wurde weltweit der „Tag des Wassers“ begangen. Und nur wenig später erinnerte ein Datum an die Anfänge der Versorgung in Wilhelmshaven: Am 30. März 1878 floss erstmals Trinkwasser aus dem Wasserwerk Feldhausen in die Stadt. Ein Schlüsselmoment, der beispielhaft für den Pioniergeist des Unternehmens steht.
Innovationsgeist und Gründermut ziehen sich seitdem wie ein roter Faden durch alle Bereiche der GEW. Ein Beispiel, das dies eindrucksvoll belegt: Seit 1996 wird jährlich am 26. April der „Tag der Erneuerbaren Energien“ begangen. Er wurde ins Leben gerufen, um an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 zu erinnern und infolgedessen aktiv nach Alternativen zur Atomenergie zu suchen.
Der Wilhelmshavener Energieversorger brauchte dafür allerdings weder eine Aufforderung noch einen Gedenktag. Bereits am 12. Mai 1986, nur wenige Tage nach dem Unglück, wurde mit der Jade-Windenergie Wilhelmshaven GmbH ein Tochterunternehmen gegründet.
Heute, 40 Jahre später, wirkt dieser Schritt wie ein früher Vorgriff auf die Energiewende. Kein Wunder, Visionen haben bei der GEW eine lange Tradition. Ebenso wie das Verantwortungsbewusstsein für die Stadt, ihre Bevölkerung und ihre wirtschaftliche Entwicklung.
Diese Nähe ist historisch gewachsen. Immerhin ist die GEW das älteste Unternehmen der Stadt und wurde nur 103 Tage nach der feierlichen Stadtgründung am 17. Juni 1869 ins Leben gerufen – am 28. September 1869.
Mittlerweile versorgt die GEW rund 40.000 Haushalte mit Energie und Wärme. Mit ihren Wasserwerken in Grafschaft und Horsten sichert sie zudem die Trinkwasserversorgung der Stadt. Ein Pluspunkt, über den nicht jeder der rund 1.300 deutschen Energieversorger verfügt. Dieser Dreiklang der Versorgungssicherheit gehört zu den Alleinstellungsmerkmalen des Unternehmens. Über die Bedeutung des Wassers und die Herausforderungen der Zukunft spricht GEW-Geschäftsführer Josef Thomann in diesem Interview.
Herr Thomann, andere denken bei der Energiewende automatisch an Gas, Öl und Strom. Sie hingegen zuerst an Wasser. Warum?
Weil Wasser unser wichtigstes Gut ist. Anders als fossile Brennstoffe kann man es nicht durch regenerative Energien ersetzen oder – wie im Fall von Strom – durch Wind- und Solartechnik erzeugen. Wasser ist unverzichtbar. Für den Menschen, für die Industrie und für jede Form von gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entwicklung.
Wieso rückt es gerade jetzt stärker in den Fokus?
Der Bedarf wächst. Nicht nur in der klassischen Trinkwasserversorgung, sondern ebenso durch neue industrielle Entwicklungen. Wenn über Wasserstoff, Ansiedlungen und Transformation nachgedacht wird, dann muss parallel dazu über Wasser gesprochen werden. Ohne gesicherte Wasserversorgung gibt es keinen nachhaltigen Fortschritt.
Hat Wasser in Wilhelmshaven schon immer eine besondere Rolle gespielt?
Ja, und das hat einen einfachen Grund: Wilhelmshaven hatte nie ausreichende Wasserressourcen. Wasser musste aus dem Umland in die Stadt gebracht werden. Erst seit dem 30. März 1878 gibt es eine funktionierende Trinkwasserversorgung.
Das hat früh ein Bewusstsein dafür geschaffen, wie wertvoll diese Ressource ist. Ein schönes Beispiel ist unser Rathaus: Beim Bau 1928 hat man in den rund 49 Meter hohen Turm einen großen Wasserbehälter integriert.
Das war nicht nur eine technische Lösung. Vielmehr setzte man auf diese Weise ein deutliches Zeichen. Man hat damals schon verstanden, dass eine funktionierende Wasserversorgung das Fundament einer jeden Stadt bildet.
Wo entsteht eigentlich das Wilhelmshavener Trinkwasser?
Wir holen es uns von dort, wo es verlässlich verfügbar ist – aus dem Umland. Unsere Brunnen liegen auf dem Geestrücken bei Schortens und Friedeburg.
Von dort wird das Wasser in die beiden Werke nach Feldhausen und Horsten gebracht. Das Wasser wird vor Ort belüftet und gefiltert. Dabei entfernen wir lediglich gelöste Gase sowie Eisen und Mangan – mehr nicht.
Am Ende entsteht ein Trinkwasser, das seinen natürlichen Charakter weitgehend behält und eine Qualität erreicht, die so hoch ist, dass es sogar für die Zubereitung von Babynahrung geeignet ist. Danach beginnt der unsichtbare Teil unseres Auftrags.
Über ein sehr dichtes Netz aus Leitungen wird es in der Stadt verteilt. Dass es bei Ihnen zu Hause mit konstantem Druck aus dem Hahn kommt, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer Infrastruktur, die über Jahrzehnte gewachsen ist.
Wie darf ich mir die Wasserversorgung in Wilhelmshaven vorstellen?
In Feldhausen und in Horsten werden jährlich rund 8,4 Millionen Kubikmeter Trinkwasser gewonnen und aufbereitet. Über ein Leitungsnetz von etwa 852 Kilometern Länge gelangt es zuverlässig zu den Haushalten und Unternehmen in Wilhelmshaven. Es gilt als das Rückgrat unserer Infrastruktur.
Seit 2021 liefern wir außerdem über unser Wasserwerk in Horsten Trinkwasser an den Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) und tragen damit zur Versorgung im Nordwesten bei. Die Vereinbarung sieht vor, dass wir jährlich bis zu 1,5 Millionen Kubikmeter in das Netz einspeisen können.
Als GEW wissen wir aufgrund unserer eigenen Historie: Wasser endet nicht an Stadtgrenzen. Versorgungssicherheit funktioniert nur, wenn man regional denkt.
Mit dem Hauptaugenmerk auf die Versorgungssicherheit und die künftigen Anforderungen – etwa durch Wasserstoffprojekte – stellt sich die Frage nach dem Bedarf neu. Kann dafür auch Wasser aus Kläranlagen genutzt werden?
Grundsätzlich nein – zumindest nicht ohne Weiteres. Für die Elektrolyse wird hochreines Wasser benötigt. Nach Angaben des Umweltbundesamtes sind für die Herstellung eines Kilogramms Wasserstoff rund zehn Liter Reinstwasser erforderlich.
Geklärtes Abwasser erfüllt diese Anforderungen nicht. Es muss in einem zusätzlichen Schritt sehr aufwendig weiter aufbereitet werden. Gleichzeitig liegt genau darin eine Chance. Statt geklärtes Abwasser wie bisher in den Jadebusen einzuleiten, kann perspektivisch geprüft werden, ob es gezielt weiter aufbereitet und für industrielle Prozesse genutzt werden kann.
Wie elementar sind Kooperationen auf diesem Gebiet?
In vielen Fällen sind sie der entscheidende Faktor für den Erfolg. Denn wir stehen vor der Aufgabe, industrielles Wachstum zu ermöglichen und gleichzeitig unsere Grundwasserressourcen zu schützen. Das funktioniert nur gemeinsam.
Diesen Ansatz verfolgen die Stadt, die Technischen Betriebe Wilhelmshaven (TBW) und der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband konsequent. Konkret geht es darum, dass der OOWV künftig gereinigtes Abwasser aus der Kläranlage übernimmt und in einem eigenen Brauchwasserwerk so aufbereitet, dass es für industrielle Prozesse genutzt werden kann.
Deshalb begrüßen wir diesen gemeinsamen Weg ausdrücklich. Letztendlich sorgt er dafür, dass wertvolles Trinkwasser nicht für industrielle Zwecke eingesetzt werden muss. Nichtsdestotrotz muss allen in der Wirtschaft, der Politik und in der Gesellschaft klar sein, dass wir kein Trinkwasser für die Produktion von Wasserstoff einsetzen dürfen. Dafür benötigen wir andere Lösungen. Und zwar schnell.
Weshalb ist Geschwindigkeit jetzt zwingend erforderlich?
Unsere Heimatstadt spielt eine zentrale Rolle in der deutschen Wasserstoffwirtschaft. Der ENERGY HUB Port of Wilhelmshaven kann bis 2031 insgesamt 34 Terawattstunden Wasserstoff produzieren. Umso wichtiger ist es, die dafür notwendigen Wasserressourcen von Anfang an richtig zu denken.
Dieses Projekt lehrt uns, dass Wasserwirtschaft nicht mehr isoliert betrachtet werden kann. Es geht um Kreisläufe, um Kooperation und um die Frage, wie wir mit einer begrenzten Ressource verantwortungsvoll umgehen.
Am Ende stehen wir alle vor der Aufgabe, die Versorgung langfristig sicherzustellen. Verantwortungsvoll und mit dem Fokus auf die kommenden Generationen. Das ist herausfordernd, aber nicht unlösbar.
Bildquelle: GEW Wilhelmshaven GmbH

