Seegüterumschlag in Niedersachsens Häfen wächst weiter
Mit einem Plus von 9 % auf ein Gesamtumschlagsvolumen von knapp 60,5 Millionen Tonnen im Seeverkehr in 2025 (55,5 Millionen Tonnen in 2024) sind die neun niedersächsischen Seehäfen weiterhin auf Wachstumskurs. Insbesondere der Containerumschlag ist im Aufschwung und auch beim konventionellen Stückgut sowie bei der Energiewende-Logistik konnten steigende Volumen verbucht werden.
Einen deutlichen Aufwärtstrend verzeichnete im vergangenen Jahr erneut der Containerumschlag am Container Terminal Wilhelmshaven, wo mit rund 1,47 Millionen TEU ein Wachstum von 74 % generiert wurde. Der Stückgutumschlag in Niedersachsens Seehäfen stieg um 41 % auf über 20 Millionen Tonnen, maßgeblich getragen durch das Geschäft mit Eisen & Stahl, Forstprodukten sowie Projektladungen, rollender Ladung und der Logistik rund um die Energiewende – z.B. mit dem Umschlag von Windenergie-Komponenten und Seekabeln. Hierzu gehörten auch die in 2025 insgesamt rund 1,63 Millionen Neufahrzeuge, die seeseitig in Cuxhaven, Emden und Wilhelmshaven umgeschlagen wurden.
Beim seeseitigen Massengutumschlag ist die Entwicklung in den niedersächsischen Seehäfen zweigeteilt: Während der Umschlag fester Massengüter, wie z.B. Ein- und Ausgangsprodukten der ansässigen Industrien, aber auch von Agrarprodukten sowie von Baustoffen, mit insgesamt 13,2 Millionen Tonnen um 8 % gegenüber dem Vorjahr gewachsen ist, war der Umschlag flüssiger Massengüter, wie z.B. Rohöl und chemischer Produkte, mit 27,3 Millionen Tonnen um 6 % rückläufig. Der Gesamtumschlag von Massengütern belief sich demnach auf 40,5 Millionen Tonnen in 2025.
Zu den Umschlagsergebnissen und zur Hafenentwicklung in Niedersachsen äußerte sich Inke Onnen-Lübben, Geschäftsführerin der Seaports of Niedersachsen GmbH: „Die positive Entwicklung der niedersächsischen Seehäfen im vergangenen Jahr spiegelt sowohl unsere gute Wettbewerbsposition im internationalen Markt als auch unsere bedeutende Rolle als überregionale Versorgungsdrehscheiben wider. Die Hafenbetriebe investieren gezielt und entwickeln ihre Dienstleistungsangebote stetig weiter. Dass die Energie- wie auch die Zeitenwende nur mit unseren Seehäfen funktionieren kann, beweisen wir nahezu tagtäglich mit Umschlagsaktivitäten im Bereich der Erneuerbaren Energien und auf Projektbasis bei der
Militärlogistik. Unser Marktumfeld ist insgesamt allerdings weiterhin herausfordernd aufgrund der anhaltenden handelspolitischen Unsicherheiten und der strukturellen Lage der deutschen Wirtschaft.“
Im Einzelnen entwickelte sich das Umschlagsvolumen in den niedersächsischen Seehäfen wie folgt:
Zuwächse in Brake
Der Hafen Brake verzeichnet für 2025 im Seegüterverkehr ein Gesamtumschlagsergebnis von rund 5,8 Millionen Tonnen (ca. 5,4 Millionen Tonnen in 2024) und wächst damit um 7 % gegenüber dem Vorjahr. Dabei konnte der Umschlag von festen Massengütern um 2 % auf rund 3,2 Millionen Tonnen gesteigert werden, maßgeblich war hier vor allem ein höheres Volumen an Futtermitteln. Importe von Getreide sind allerdings nach wie vor durch den Ukraine-Konflikt beeinflusst. Der Umschlag von Stückgütern legte dank eines starken Geschäfts mit Projektladung und Forstprodukten um 20 % auf über 2,2 Millionen Tonnen zu. Perspektivisch bestehen in Brake Wachstumspotenziale insbesondere im Bereich der Erneuerbaren Energien und des Projektumschlags, dies auch in Anbetracht des in 2025 wieder aufgenommenen Umschlags von Windenergie-Komponenten.
Cuxhaven weiter im Aufwind
Mit einem seeseitigen Umschlagsvolumen von mehr als 3,1 Millionen Tonnen verbessert Cuxhaven das Vorjahresergebnis um 26 % (ca. 2,5 Millionen Tonnen in 2024). Der Umschlag von Windenergie-Komponenten für den Onshore- wie auch den Offshore-Markt konnte um knapp 52 % auf über 412.000 Tonnen in 2025 gesteigert werden. Dies entspricht insgesamt 5.275 Komponenten zum Bau von Windenergieanlagen für verschiedene Hersteller. Für die kommenden Jahre werden weitere Zuwächse bei der Windenergie-Logistik erwartet, auf die sich auch die Umschlagsunternehmen durch entsprechende Investitionen vorbereiten. Ebenfalls positiv stellt sich die Entwicklung Cuxhavens als Logistikhub der Automobilindustrie dar: Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 367.605 Fahrzeuge seeseitig umgeschlagen und damit das Vorjahresergebnis um 9 % übertroffen (337.100 Fahrzeuge in 2024). Im Massengutbereich führten u.a. die Baumaßnahmen eines großen Ansiedlers am Standort zu einem deutlich vermehrten Import von Baustoffen.
Positive Entwicklung in Emden
Der Emder Hafen wächst um rund 3 % auf mehr als 4,6 Millionen Tonnen beim Seegüterumschlag (ca. 4,5 Millionen Tonnen in 2024). Größte Position im seeseitigen Umschlagsportfolio des Hafens an der Ems bilden mit etwa 2,6 Millionen Tonnen die Stückgüter, zu denen vor allem Neufahrzeuge und Zellstoff sowie Bauteile und Komponenten im Rahmen der Energiewende-Logistik zählen. So wurden in Emden im vergangenen Jahr rund 1,19 Millionen Neufahrzeuge im Seeverkehr umgeschlagen, womit der Standort weiterhin zu den drei größten Automobilhäfen in Europa zählt. Ein leichter Rückgang der Umschlagszahlen um knapp 5 % gegenüber dem Vorjahr spiegelt die schwierige Lage in den weltweiten Märkten wider (1,24 Millionen Fahrzeuge in 2024). Der Umschlag von Windenergie-Komponenten konnte um 13 % auf knapp 144.000 Tonnen gesteigert werden. Weiterhin trug der Import von festen Massengütern und hier vor allem von knapp 1,5 Millionen Tonnen Baustoffen zum positiven Emder Umschlagsergebnis im Seeverkehr in 2025 bei. Durch gezielte Ausbaumaßnahmen und Investitionen der Wirtschaft wird der Emder Hafen als Drehscheibe für Automobile, Stückgüter und Projektladungen weiterentwickelt.
Leer als regionale Drehscheibe
Im Hafen Leer wurden 2025 im kombinierten See- und Binnenschiffsverkehr rund 189.000 Tonnen Güter umgeschlagen. Hierbei handelte es sich vor allem um Zierkies, Baumaterialien, Futtermittel, Torf und Wertstoffe sowie Stahlplatten für ein regionales Kesselbau-Unternehmen. Gegenüber dem Vorjahr ergibt sich ein Rückgang von rund 11 % (213.090 Tonnen in 2024), der in erster Linie aus der Verlagerung von Verkehren auf die Bahn resultiert. Im reinen Seeverkehr belief sich das Umschlagsvolumen auf knapp 10.000 Tonnen. Ins laufende Jahr ist der Leeraner Seehafen mit positiven Umschlagsentwicklungen gestartet, der Standort ist zudem optimistisch, ein neues Geschäftsfeld für den Hafen zu erschließen.
Nordenham gelingt Transformation
Der Hafen Nordenham kommt 2025 mit insgesamt knapp 2 Millionen Tonnen im Seegüterumschlag auf ein Plus von 15 % im Vergleich zu 2024 (rund 1,7 Millionen Tonnen). Zuwächse gab es beim Umschlag von Flüssiggütern wie Mineralölprodukten und Schwefelsäure sowie bei festen Massengütern, hier insbesondere bei Baustoffen und Erzen. Der Stückgutumschlag, der rund ein Viertel des Umschlagsvolumens in Nordenham ausmacht, konnte um 8 % gesteigert werden. Hierbei handelt es sich u.a. um Komponenten zum Ausbau der Erneuerbaren Energien, ein Geschäftsfeld, das für den Hafen an der Weser immer wichtiger wird. Damit gelingt es dem Standort Nordenham, den über lange Jahre bedeutsamen Kohleumschlag, der wegen der Energiewende auch im vergangenen Jahr mit 620.000 Tonnen gegenüber dem Vorjahr um 12 % rückläufig war, mit neuen Geschäftsfeldern wirksam zu substituieren.
Weiterhin nur Binnenverkehre in Oldenburg
Die Bahnbehelfsbrücke über die Hunte bei Elsfleth, die von Seeschiffen nicht passiert werden kann, sorgt im Oldenburger Hafen weiterhin für eine Konzentration auf Warenlieferungen per Binnenschiff und Bahn. Knapp 800.000 Tonnen Güter wurden 2025 in Oldenburg vom bzw. aufs Binnenschiff umgeschlagen, was einem Zuwachs von 7 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht und den fehlenden Seegüterumschlag ersetzt. Der Bahnumschlag belief sich auf rund 308.000 Tonnen, so dass sich das Umschlagsvolumen im Hafen Oldenburg in 2025 mit insgesamt 1,1 Millionen Tonnen auf Vorjahresniveau bewegt.
Die Hafenwirtschaft ist derzeit leidgeprüft: Neben der Problematik mit der festen Bahnquerung bei Elsfleth, die eine Durchfahrt von Seeschiffen auf der Hunte nach Oldenburg nicht ermöglicht, gibt es eine zusätzliche Einschränkung aufgrund laufender Reparaturen an der Eisenbahnbrücke über die Hunte in Oldenburg. Hier ist die Durchfahrt auch für Binnenschiffe seit Wochen nur tideabhängig möglich. Immerhin zeigen sich beim Neubauvorhaben der Eisenbahnüberführung über die Hunte in Elsfleth nun Fortschritte, so dass weiterhin eine Fertigstellung Ende 2027 realisierbar erscheint und absehbar wieder Seeschiffsanläufe im Oldenburger Hafen stattfinden können.
Umschlag in Papenburg wächst
In Papenburg wurden im Seegüterverkehr im vergangenen Jahr mit fast 618.000 Tonnen rund 14 % mehr Güter umgeschlagen als 2024 (541.043 Tonnen). Hierzu gehörten vor allem Stahl, Schiffs- und Maschinenteile sowie Torf und Dünger. Der Umschlag per Seeschiff ist damit die größte tragende Säule des Seehafen Papenburg. Auch im für den Standort wichtigen Binnenschiffsverkehr gab es deutliche Zuwächse: Mit fast 257.000 Tonnen umgeschlagener Güter, wie z.B. Baustoffen, konnten die Mengen gegenüber dem Vorjahr um 87 % gesteigert werden (137.269 Tonnen in 2024). Für das laufende Jahr rechnet man in Papenburg erneut mit einer positiven Umschlagsentwicklung, dies auch vor dem Hintergrund von Unternehmensansiedlungen sowie Projektgeschäften.
Stade mit Umschlagssteigerungen
Das seeseitige Umschlagsvolumen des Hafen Stade ist im vergangenen Jahr um 11 % auf über 6 Millionen Tonnen gewachsen (ca. 5,5 Millionen Tonnen in 2024), maßgeblich getragen von der Entwicklung der am Standort Stade ansässigen Industriebetriebe. So machte der Import von Erzen als Produktionsrohstoff ein Volumen von rund 2,6 Millionen Tonnen aus, was einem Zuwachs von 11% entspricht. Der Umschlag flüssiger Massengüter, wie Aluminiumoxyd und -hydroxyd sowie chemischer Produkte, stieg um 8 % auf knapp 2,5 Millionen Tonnen. Ebenfalls positiv entwickelte sich der Baustoffumschlag mit plus 17 % auf rund 960.000 Tonnen. Für den Seehafen Stade ergeben sich durch verschiedene Projekte im Bereich der Energiewirtschaft, die momentan am Standort diskutiert werden, weitere Umschlagsperspektiven für die Zukunft.
Containerumschlag steigt in Wilhelmshaven
In Wilhelmshaven wurden im vergangenen Jahr mit 38,3 Millionen Tonnen rund 8 % mehr Güter als im Vorjahr umgeschlagen (ca. 35,4 Millionen Tonnen in 2024). Der Stückgutumschlag wuchs dabei um 75 % auf rund 12,6 Millionen Tonnen, bedingt durch Volumensteigerungen bei Containern und Fahrzeugen. Mit fast 1,47 Millionen TEU wurden 2025 in Wilhelmshaven 74 % mehr Container umgeschlagen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Im jungen Geschäftsfeld Automobillogistik, für das momentan umfangreiche private Investitionsmaßnahmen umgesetzt werden, belief sich der seeseitige Umschlag in Wilhelmshaven auf über 77.000 Neuwagen und stieg damit um 4 %. Insgesamt ist in Wilhelmshaven für die kommenden Jahre von weiteren Steigerungen im Stückgutsektor auszugehen.
Der Umschlag flüssiger Massengüter macht mit knapp 23,4 Millionen Tonnen weiterhin den Großteil des Ladungsaufkommens aus. Während hier die Entwicklung bei Kraftstoffen mit rund 2,4 Millionen Tonnen und einem Plus von 18 % sowie bei LNG mit einem Volumen von rund 3,7 Millionen Tonnen und einem Plus von 36 % positiv war, gingen die Mengen beim Rohölumschlag mit knapp 17 Millionen Tonnen in 2025 um 17 % zurück. Der Kohleumschlag bewegt sich mit etwa 1,8 Millionen Tonnen auf Vorjahresniveau.
Hinweis: Die genannten Prozentwerte beruhen auf den exakten Ergebnissen. Durch Rundung der Zahlen im Text können Prozentwerte z.T. leicht abweichen.
Bildunterschrift:
Zogen gemeinsam Bilanz für die niedersächsischen Seehäfen im Jahr 2025: v.l. Grant Hendrik Tonne (Niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Verkehr und Bauen), Inke Onnen-Lübben (Geschäftsführerin Seaports of Niedersachsen GmbH) und Holger Banik (Geschäftsführer Niedersachsen Ports GmbH & Co. KG sowie der JadeWeserPort Realisierungs GmbH & Co. KG) I Bildquelle: Andreas Burmann
Über Seaports of Niedersachsen:
Die Seaports of Niedersachsen GmbH (Seaports) repräsentiert die neun niedersächsischen Seehäfen mit ihren zahlreichen Hafenumschlagsunternehmen, überregional aktiven Logistiknetzwerken und Spezialisten für Logistikdienstleistungen aller Art. Als Hafenmarketinggesellschaft kommuniziert Seaports die vielfältigen Leistungen der niedersächsischen Seehafenstandorte auf dem Weltmarkt und schafft Plattformen für die Vernetzung der Hafenwirtschaft mit ihren Kunden, um sich erfolgreich im internationalen Wettbewerb zu positionieren.

